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Mina grün

auf meinem Veg nach Utopia

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Gedanken

Aktivistischer Waldspaziergang

Heute habe ich das erste (und bestimmt nicht das letzte) Mal an einem ganz besonderen Waldspaziergang teilgenommen… Jeden Monat – und das nun schon seit Mai 2015 – führt der Waldpädagoge Michael Zobel eine mal größere mal kleinere Gruppe von Menschen (und Tieren) durch den von Rodung bedrohten und gezeichneten Hambacher Forst im RWE-Braunkohleabbaugebiet im Rheinland. Rund 230 Menschen, jung und alt bunt gemischt, waren heute dabei und haben friedlich ihre Solidarität mit den im Wald lebenden Pflanzen, Tieren und Menschen bekundet. Wir haben einiges über die Geschichte des Hambacher Forsts erfahren und seine einzigartige ökologische Bedeutung als jahrhundertealter Stieleichen-Hainbuchen-Maiglöckchen-Wald. Wir sind Waldbesetzer*innen begegnet, haben ein paar ihrer Geschichten gehört und die in den Wipfeln thronenden Baumhäuser bestaunt. Seit vier Jahren gibt es im Hambacher Forst ständig Waldbesetzungen durch Aktivist*innen, um ihn vor den Rodungsarbeiten zu schützen, die den Wald Jahr um Jahr weiter zerstören. Es war erschütternd, das Ausmaß der Verwüstung zu sehen. Nicht mehr weit entfernt liegt die Abbaukante, dahinter ein großes, ödes Loch mit den riesigen Baggern. Aber gleichzeitig war es faszinierend zu entdecken, mit wie viel Liebe die Behausungen auf der Wiesenbesetzung und in den Baumkronen gestaltet sind und zu bemerken, dass der Widerstand gegen das umweltzerstörerische Vorgehen von RWE lebt und stark ist. 🙂

DANKE 💚

 

 

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Finland, once again.

Finnland, mal wieder… Oder: Als WWOOFerin auf einem finnischen Ökodorf.
Mal wieder? WWOOF?
Finland, once again… Or: As WWOOFer on a finnish ecovillage.
Once again? WWOOF?

Die Vorgeschichte: Angefangen hat alles im Sommer 2010, als ich das erste Mal in Finnland war und dort an einem internationalen Workcamp teilgenommen habe (hier sogar ein kleiner Bericht dazu). Seitdem habe ich dieses Land irgendwie in mein Herz geschlossen. ❤ Ich war dann ab Oktober 2010 für knapp 10 Monate als Au-Pair bei einer Familie in Oulu (Nordfinnland) und bin in den folgenden Jahren immer mal für mehrere Wochen zurückgekehrt. Im Sommer 2013 war ich dann erneut als Teilnehmerin in einem Workcamp (Niva!).
Previous history: It all started in the summer of 2010 when I was the first time taking part in an international Workcamp in Finland. Since then I have taken this land somehow to my heart. ❤ From October 2010 I stayed for about ten months as au pair with a family in Oulu (northern Finland). And in the following years I came back a few times, but always just for a couple of weeks. In summer 2013 I was again participating in a workcamp (Niva!).

Nun nach zweijähriger Abwesenheit bin ich ENDLICH diesen Herbst mal wieder in den hohen Norden gereist. Mein Hauptinteresse dieses Mal bestand darin für zweieinhalb Wochen auf einem kleinen Ökodorf (namens Gaija) zu leben. Mein erstes Mal „wwoofen“, das heißt kurz gesagt, für Kost und Logis auf einem Ökohof mitzuhelfen. Aber auch nach Oulu verschlug es mich im Anschluss für eine Woche und ein paar Tage in Niva konnte ich spontan auch noch unterbringen.
Now after two years of absence, this fall I FINALLY travelled again to the far North. My main purpose this time, was to live for two and a half weeks on a small ecovillage (named Gaija). My first time „wwoofing“, that means in short to work on an organic farm and get free food and accomodation. Afterwards I visited Oulu for a week and I even found the time to drop by in Niva for a few days.

Ich hatte mich entschieden dieses Mal nicht zu fliegen, sondern den Landweg (und Seeweg) über Polen und die baltischen Staaten zu nehmen. Berlin – Warschau – Vilnius – Riga – Tallinn – Helsinki. Eine lange Reise, viel Zeit, um meine Gedanken fließen zu lassen und mich auf das Abenteuer mental vorzubereiten. 😉
I chose this time not to fly but to travel by land (and sea) via Poland and the Baltic States. Berlin – Warsaw – Vilnius – Riga – Tallinn – Helsinki. A long journey, and a lot of time to let my thoughts flow and to prepare mentally for the adventure. 😉

GAIJA

Eine Nacht im Bus, eine Nacht im Hostel in Tallinn, am nächsten Morgen die Fähre nach Helsinki. Ich war zurück in Finnland! Alles irgendwie vertraut. So schön, die Sprache wieder zu hören. Aber im Großstadttrubel von Helsinki hielt mich nichts, ein paar Stunden Aufenthalt am Bahnhof, dann ging es mit dem Zug über Seinäjoki nach Ähtäri. Oh, ich erinnere mich noch, wie aufgeregt ich war. Hatte in den letzten Wochen noch alles per Mail abgesprochen. Mit Selma, eine Bewohnerin Gaijas, sie würde mich vom Bahnhof abholen. Aber so ganz genau wusste ich eigentlich nicht, was auf mich in den nächsten Wochen zukommen würde.
One night on the bus, one night at the hostel in Tallinn, the next morning by ferry to Helsinki. I was back in Finland! Everything somehow familiar. So nice to hear the language again. But in the hustle and bustle of Helsinki kept me nothing. A couple of hours at the station, then I took the train via Seinäjoki to Ähtäri. Oh, I still remember how excited I was. Had agreed everything by e-mail in the last few weeks, with Selma, a resident of Gaija. She would pick me up from the train station. But yet I didn’t really know how the next few weeks would be.

Das erste, was mir in Gaija auffiel, war die Stille, oder besser: die Abwesenheit von Lärm. Auch die Abwesenheit von Stress und Zeitdruck. Ich habe das alles als sehr wohltuend wahrgenommen. Ich habe mich allgemein an diesem Ort sehr wohl und willkommen gefühlt. Konnte wirklich zur Ruhe kommen, bewusst meinen Tag gestalten, mich auf mich selbst besinnen und war gleichsam Teil des Ganzen, eingebunden in den Alltag auf Gaija. Es war angenehm nicht ständig zwischen unterschiedlichen Orten hin- und hergerissen zu sein, nicht ständig abgelenkt zu werden. Ich habe es als sehr beFRIEDigENd empfunden, meinen Teil zum Ganzen beitragen zu können und dort sinnvollen Tätigkeiten nachzugehen. Natürlich gab es auch Momente in denen nicht alles in Harmonie war und über die Zeit konnte ich mehr und mehr sehen, dass Gaija und die Menschen dort auch alle noch unterwegs sind, alles ist ein Prozess.
The first thing that struck me in Gaija, was the silence, or rather the absence of noise. The absence of stress and time pressure. All this I perceived as very beneficial. Generally I felt very comfortable and welcome there. I could really come to rest and consciously make my day. I could reflect on myself and still I was like part of the whole, integrated into everyday life on Gaija. It was pleasant to not be constantly torn between different places and to not be distracted all the time. I have found it very satisfying to be able to contribute my part to the whole, pursuing meaningful activities. Of course there were moments in which not everything was in harmony and over time I could see that Gaija and all the people there are also still on there way, everything is a process.

Gaija hatte zu dem Zeitpunkt, als ich dort war, etwa zehn Bewohner und alles in allem waren wir immer so 10-15 Leute dort. Ein großes Kommen und Gehen. Mir wurde erzählt, dass dort in der Sommerzeit mehr Menschen leben. Grundsätzlich gibt es ein großes Hauptgebäude mit Gemeinschaftsräumen (Küche, Wohnzimmer, Yoga-Zimmer, Sauna, …) und über das Gelände verteilt noch ein paar weitere Wohnhäuser, Stall (für Hühner und Schafe), eine Scheune sowie eine Außensauna direkt am See. Ansonsten ein Gewächshaus, verschiedene Felder, Beerenbüsche, Wald und Wiese, … Im Hauptgebäude befinden sich in der ersten Etage einige Zimmer, die für Gäste bestimmt sind. Ich durfte mir eines der freien Zimmer aussuchen. Mit Seeblick. 🙂
Gaija had at the time, when I was there, about ten residents and all in all we were always 10-15 people there. A lot comings and goings. I was told, that in the summer time, more people lived there. Basically there is a large main building with communal areas (kitchen, living room, yoga room, sauna, …) and spread throughout the site are a few more houses, stables (for chicken and sheep), a barn and an outdoor sauna at the lake. As well a greenhouse, different fields, berry bushes, woods and meadows, … In the main building on the first floor there are some rooms located, which are intended for guests. I could pick out one of them for me. With lake view. 🙂

Ich überlege gerade, was und wie viel ich hier auf diesem Blog überhaupt erzählen möchte. Ich denke ich werde eher die Bilder sprechen lassen. 🙂 Zweimal während der Zeit auf Gaija war ich mit ein paar Leuten Preiselbeerpflücken im Wald. Das hat mir total gut gefallen, auch weil es außerdem noch einige meiner geliebten MUSTIKOITA (Blaubeeren) zu finden gab. 😀 Die gesammelten Preiselbeeren wurden anschließend lediglich gesäubert, gestampft, in Gläser abgefüllt und dann einfach kühl gelagert (draußen), sie müssen nicht eingekocht werden!
I’m wondering, what and how much I actually want to tell here on this blog. I think I’ll also let the pictures speak. 🙂 Twice during my time on Gaija I was together with a few other people picking lingonberries in the forest. I enjoyed it much, also because I even found some of my beloved MUSTIKOITA (blueberries). 😀 The collected lingonberries were simply cleaned, mashed, filled in jars and then just kept refrigerated (outside), they don’t need to be boiled!

Ansonsten fielen auf dem Hof selbst viele unterschiedliche Ernte-Aufgaben an: Erbsen, Kartoffeln, Saubohnen, unreife Tomaten zum Nachreifen nach Drinnen holen, … Die Saubohnen (härkäpapuja) waren dabei eine besonders arbeitsintensive Angelegenheit: Weil es schon den ersten Nachtfrost gegeben hatte, mussten plötzlich in einer großen Hauruck-Aktion alle Saubohnenfelder abgeerntet werden. So haben wir uns an drei Tagen hintereinander intensiv nur mit diesen wunderschönen Bohnen beschäftigt. 😉 Tagsüber ernten und bei Einbruch der Dunkelheit wurde das Wohnzimmer zur Saubohnen-Enthülsungs-Station, denn die Bohnen mussten sofort nach der Ernte aus ihren Schalen geholt und zum Trocknen ausgelegt werden.
Otherwise there were on the farm itself many different harvesting tasks: peas, potatoes, broad beans, kale, beet root, unripe tomatoes to mature inside, … The broad beans (härkäpapuja) were a particularly labor-intensive matter: It had been the first night frost and in a sudden all the broad beans had to be harvested. So for three days in a row we were occupied with those wonderful beans. 😉 During the day we went to the fields to harvest and after nightfall the living room changed to a bean-peeling-station, because the beans had to be brought out of their peels immediately after the harvest, to be laid out  and to dry.

Das was wir so alles geerntet haben, landete natürlich auch auf dem Esstisch! Ich glaube ich habe noch nie in so kurzer Zeit so oft Kartoffeln gegessen. 😀 Auch Kohl, Pastinake, Bohnen, Erbsen, Kohlrabi und Rote Bete standen oft auf dem Speiseplan. Das würde ich mal eine sehr lokale, saisonale und ökologische Form der Ernährung nennen! 😉 Außerdem konnte man sich zu jedem Gericht etwas von den selbstgepflückten und gematschten Preiselbeeren dazu nehmen. Köstlich!!
And of all that we have harvested of course parts of it landed on the dining table! I think I’ve never eaten so many times potatoes in such a short time. 😀 Also cabbage, parsnips, beans, peas, kohlrabi and beet root were often on the menu. That I would call a very local, seasonal and ecological diet! 😉 And to every dish we could add some of the self-picked and mashed lingonberries. Delicious!!

vegan, regional & seasonal!
vegan, local & seasonal food! 🙂

Neben der Arbeit und dem Essen, hatte ich natürlich auch viel Zeit für andere Dinge: kleinere Ausflüge (mit Ruderboot) und Spaziergänge in die Umgebung, Yoga, Klavier spielen, Tagebuch schreiben, lesen, … auch sehr spannend, inspirierend und wertvoll waren die Begegnungen und der Austausch mit den anderen Menschen auf Gaija. 🙂 Das ergab sich zwischendurch, in der Sauna, während der Arbeit und auch beim täglichen 14-Uhr-Kreis (piiri), zu dem sich alle (die Lust und Zeit hatten) im Wohnzimmer trafen, um wichtige Sachen zu besprechen oder einfach um zu teilen, was einem gerade auf dem Herzen lag.
Besides working and eating, I had of course also a lot of time for other things: short trips (by rowing boat) and walks in the area, doing yoga, playing piano, writing diary, reading … and very exciting, inspiring and valuable were the encounters and exchanges with the other people at Gaija. 🙂 Whether in between, in the sauna, during work and also during the daily 2-o’clock-circle (piiri), to which everyone (who wanted) met in the living room to discuss important things or simply share what just lay on the heart.

So vergingen die Tage, einer nach dem anderen und schneller als gedacht war es schon wieder Zeit abzureisen. Aber es war ein geradezu perfekter letzter Abend auf Gaija: Sauna am See (typisch finnisch) und am Himmel darüber atemberaubende Nordlichter, gespiegelt auf der Wasseroberfläche.
So the days passed by, one after another, and sooner than expected it was again time to leave. But it was a quasi perfect last evening at Gaija: sauna by the lake (typical Finnish) and breathtaking northern lights in the sky, mirrored on the water surface.

Ich habe zwar keine Fotos von den Nordlichtern machen können, aber vom See habe ich viele Aufnahmen gemacht. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich die gleiche Aussicht sein kann, je nach Tageszeit und Wetter.
I could not take any pictures of the northern lights, but I’ve got a lot of pictures of the lake view. It’s astonishing how different the same view can be, depending on the time of day and weather.

OULU

Nach meiner Zeit auf Gaija bin ich erst noch etwas weiter in den Norden gereist, nach Oulu, um dort meine ehemalige Au-Pair-Familie zu besuchen. Es ist immer wieder schön, dorthin zurück zu kehren und spannend zu sehen, wie die Kinder immer älter werden. 😀 Außerdem konnte ich Ulli, eine Freundin aus Au-Pair-Zeiten, die jetzt als Austauschstudentin in Oulu ist, mal wieder sehen und wir haben einiges gemeinsam unternommen. Besonders genossen habe ich es, wieder mit dem Rad in Oulu unterwegs zu sein (die Stadt ist ein wahres Paradies für Fahrradfahrer*innen!) und habe mehrmals längere Touren unternommen, auch zum Strand „Nallikari“.
After my time at Gaija I traveled a bit further to the North to Oulu, to visit my former au pair family. It’s always nice to return there and exciting to see how the children are getting older. 😀 In addition I could meet Ulli again, a friend from my times as au pair, she is right now back in Oulu as exchange student. It was great to spend again time together in Finland! About the time in Oulu I especially enjoyed to do some trips by bike (the city is as paradise for cyclists!), for example to the beach „Nallikari“.

Nallikari (Oulu)
Nallikari (Oulu)

NIVA

In Niva vorbeizuschauen entschied ich recht kurzfristig. Die Fahrt von Oulu dorthin (über Joensuu) war etwas aufwändig, aber ich bin froh, dass ich es gemacht habe! Untergebracht war ich bei Päivi und Erkki – dankeschön!! 🙂 An einem Abend trafen wir uns zum Essen und geselligen Beisammensein mit den anderen Dorfbewohner*innen auf der Jagdhütte, wo auch damals das Workcamp stattgefunden hatte. Es war echt schön alle mal wieder zu sehen! 🙂 Am Tag darauf unternahmen wir einen kleinen Bootsausflug zu einer unbewohnten Insel, strichen einen alten Schuppen mit der traditionellen roten Farbe (enthält unter anderem Roggenmehl!) und der Abend fand einen typisch finnischen Ausklang mit Savusauna (Rauchsauna) am See. Am folgenden Vormittag ging es für mich dann wieder auf Reisen, zurück Richtung Süden, die gleichen Etappen wie auf der Hinfahrt.
Dropping by in Niva was a short notice decision. The train ride from Oulu (via Joensuu) took quite long, but I’m happy that I went! Päivi and Erkki hosted me in their house for the time in Niva – thank you!! 🙂 One evening we met with the other villagers to have dinner together at the hunting hut, where as well the workcamp took place. It was really nice to see everyone again! 🙂 The next day we took a short boat trip to an uninhabited island, later painted an old shed with the traditional red paint (contains among other rye flour!) and in the evening we had savusauna (smoke sauna) at the lake. The next morning was my departure back towards the South, the same way but reverse as on the outward journey.

Jetzt bin ich zwar schon seit einem Monat zurück in Deutschland, aber die Reise wirkt immer noch nach. So viele wichtige Erfahrungen und wertvolle Einblicke, die ich mitnehmen könnte. Es war eine wundervolle Zeit, für die ich sehr dankbar bin! 🙂
Now I am indeed already back in Germany for a month, but the trip continues to have an effect on me. So many important experiences and valuable insights that I took with me. It was a wonderful time for which I am very grateful! 🙂

Kiitos teille kaikille sydämestäni! ❤ Minulla oli ihanaa olla taas Suomessa. Odotan jo tulla takaisin. 😉

 

World Vegan Day | Weltvegantag

Heute am 1. November ist Weltvegantag! Ein guter Grund für einen neuen Artikel. 🙂 Dieses Jahr ist das erste Mal, dass ich den Tag tatsächlich etwas feiere: In meiner Stadt findet nämlich ein großer veganer Brunch mit buntem Programm statt und daran werde ich teilnehmen. Natürlich ziehe ich nicht mit leeren Händen los, sondern steuere meinen Teil zum Buffet bei:

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Warum eigentlich vegan?

Eine Frage, die mir schon unzählige gestellt wurde, meistens vorhersehbar an Esstischsituationen… Es fällt mir eher schwer darauf zu antworten, weil ich mich mittlerweile in so vielen Facetten mit dem Thema auseinandergesetzt habe, dass keine Antwort dem gerecht werden könnte. Außerdem ist es für mich kein Kopfthema, sondern ein Herzensthema und das macht die Sache kompliziert, weil die meisten Menschen (glaube ich jedenfalls) eine intellektuelle Antwort erwarten. Nun ja, am einfachsten lässt sich wohl sagen, dass es keine wirklich gewichtigen Gründe gibt, tierische Produkte zu konsumieren, aber sehr viele Gründe die dagegen sprechen…

Ich möchte kurz die drei Ebenen nennen, auf denen eine vegane Ernährung meiner Meinung nach einen positiven Unterschied macht, ohne ins Detail zu gehen (es gibt ja bereits reichlich Information dazu finden):

  1. Ökologische Ebene: Umweltschutz, …
  2. Ethisch und moralische Ebene: Gegen Gewalt, Unterdrückung und Ausbeutung (von Mensch und Tier)
  3. Persönliche Ebene: eigene Gesundheit, Verhinderung (oder Verminderung) sogenannter „Volkskrankheiten“

Ich bin davon überzeugt, dass Ernährung ein Schlüsselelement sein kann und ist, wenn es darum geht „die Welt zu retten“ (für manche Ohren mag das jetzt vielleicht etwas hochtrabend klingen). Und es macht mich so traurig und auch wütend zu sehen, wie viele Menschen sich nach wie vor völlig unbewusst ernähren und ihre Augen, Ohren und ihr Herz verschließen, wenn es um tierische Lebensmittel geht. 😥

Kürzlich habe ich mir mal wieder (seit langem) eine Vegan-Doku angeschaut „Carne Vale – Fleisch lebe wohl!“, in der viele verschiedene Veganer*innen portraitiert werden. Einige Geschichten haben mich sehr berührt und zum Weinen gebracht – mir ist nochmal sehr bewusst geworden, weshalb ich mich damals entschieden habe vegan zu leben. Die Doku möchte ich hiermit jedem Leser und jeder Leserin ans Herz legen. Schaut sie euch an, dauert nur knapp 45 Minuten, die bestimmt keine verlorene Zeit sind! 🙂

Für heute soll es genug sein, nur noch eines:

Happy World Vegan Day! ❤ 🙂 🍏

utopival: von 💚 zu 💚

All I ask of you is forever to remember me as loving you.

Seit dem utopival ist bereits über ein Monat vergangen, aber es gab so viele andere Dinge in den letzten Wochen, die meine Aufmerksamkeit beansprucht haben, dass ich keine Ruhe finden konnte, mich meinem Blog zu widmen. Deswegen erst jetzt. Aber es war auch gut und nötig, das ein oder andere erstmal für eine Weile sacken zu lassen. 🙂 Dieser Artikel wird jedenfalls nochmal etwas in die Tiefe gehen und deshalb vermutlich auch sehr lang werden. Trotzdem werde ich versuchen, mich möglichst kurz zu fassen.

Ich möchte gerne teilen, was ich in meinem Kopf und in meinem Herzen vom utopival, insbesondere aus den Workshops, mitgenommen habe. Auch wenn ich spüre, dass berichten und inhaltlich wiedergeben, was wir besprochen haben, dem Ganzen eigentlich nicht ganz gerecht wird.

Ich habe während des utopivals ein Notizheft geführt, in welchem ich alles festgehalten habe, was mir wichtig erschien, Gesagtes, Gefühltes, Gedachtes. Auch zu jedem Workshop, an dem ich teilgenommen habe. Gehen wir doch einfach mal chronologisch vor…

DRAGON DREAMING (mit Raquel und Daniel)

In diesem Workshop haben wir eine Methode kennengelernt, die es kurz gesagt möglich macht, dass alle Teile einer Gruppe zu einem Konsens finden, ohne Kompromisse eingehen zu müssen. Als „Drachen“ werden hierbei diejenigen bezeichnet, die Einwände haben oder gänzlich gegen das Projekt sind. Es gilt diese Personen anzuhören und sie und ihre Ideen miteinzubeschließen, die Gruppenintelligenz nutzen. Es handelt sich in den meisten Fällen wahrscheinlich um einen sehr langen, aber in jedem Fall lohnenswerten und spannenden Gruppenprozess. Ziel ist eine „WIN-WIN-WIN-Situation“, bei der alle gewinnen: ich, wir und die Welt.

Eine wichtige Komponente bildet das sogenannte „Pinakari“ (sich meditativ erden), damit alle Beteiligten konzentriert bei der Sache bleiben und von Herz zu Herz gesprochen wird. Das ist besonders wichtig bei der Vorstellung einer Projektidee vor der Gruppe.

Ein Projekt durchläuft verschiedene Stadien, vom „dreaming“ übers „planning“ und „doing“ darf auch das „celebrating“ nicht vergessen werden. Jeder einzelne Schritt erfordert Handlungen auf unterschiedlichen Ebenen und in unterschiedlichen Kontexten.

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aus meinem Notizheft 🙂

Wichtig ist außerdem, dass zwar eine einzelne Person die Projektidee äußert, diese dann aber „sterben“ muss, um als gemeinsames Projekt der gesamten Gruppe wieder „geboren“ zu werden.

Das war jetzt natürlich nur ein kleiner Einblick in den Workshop und nur ein ganz kleiner Einblick in das Thema „Dragon Dreaming“. Hier gibt es einen wundervollen Blogartikel, der ein bisschen mehr in die Tiefe geht und den Pia (von living utopia) auf dem Blog „Experiment Selbstversorgung“ veröffentlicht hat. Und hier die offizielle Ergebnisseite des Workshops.

VORGARTENKRITISCHER DORFRUNDGANG (mit Toffi)

Diesen Workshop hatte ich mir in erster Linie ausgesucht, um an der frischen Luft sein zu können, das schöne sommerliche Wetter genießen und mich ein bisschen bewegen zu können. Ansonsten interessiere ich mich natürlich auch grundsätzlich für Gärten und Gartengestaltung und fand die Idee spannend, einfach eine Runde durchs Dorf zu gehen und verschiedene Vorgärten genauer unter die Lupe zu nehmen. 🙂

Wir haben uns beispielsweise überlegt, was wohl ein Vorgarten über die Bewohner des dazugehörigen Hauses aussagt, über gemeinschaftlich genutzte Flächen im Dorf nachgedacht, ein paar Wildkräuter kennengelernt und probiert und ein neues Wort gelernt: „Permablitz“. 😀 Permablitze, eine Erfindung von Toffi, dem Workshopleiter, sind kurze, aber nachhaltig wirkende gemeinschaftliche Aktionen, um Gärten mehr im Sinne der Permakultur zu gestalten. So wird in einem Garten angefangen und dann breitet es sich im Idealfall über die ganze Nachbarschaft aus. Eine wunderschöne Idee! 🙂

Hier ist Ergebnisseite zu diesem Workshop.

GEMEINSCHAFT & DEGROWTH (mit Malo)

Das Zitat am Anfang ist Teil eines Liedes, das wir am Ende dieses Workshops gemeinsam gesungen haben. Dieser Workshop war für mich eine der wichtigsten und intensivsten Erfahrungen, die ich auf dem utopival machen durfte. Ich weiß gar nicht genau, wie ich mit Worten beschreiben soll, was genau stattgefunden hat. Jedenfalls sagt der Workshop-Titel nicht wirklich etwas über den Workshop aus. Was damit zu tun hat, dass er (laut Malo) auch völlig anders abgelaufen ist als ursprünglich geplant. Gut so! 🙂 Treffender wäre deswegen wohl: Gemeinschaftsbildung & Dialogprozess. Oder so.

Malo führte am Anfang des Workshops so etwas wie „Regeln“ ein. Da ich sie für sehr wichtig halte, führe ich sie hier mal auf. Nämlich folgende:

  1. Zuhören (empathisch, ohne Bewertung, emotionale Anwesenheit)
  2. Respektieren (jede Person in ihrem Mensch-Gewordensein; Widersprüche und Grenzen; keine Fragen stellen, denn sie erzwingen Reaktion; keine Analysen/ Interpretationen/ Ratschläge, …)
  3. Suspendieren (alles Gesagte in der Schweben halten; Stille zulassen)
  4. Sprechen (vom Herzen her und nur, wenn der innere Impuls da ist; in Ich-Form sprechen und nicht dozieren; agieren statt re-agieren)

Es gab kein konkretes Thema über das gesprochen wurde oder gesprochen werden sollte. Sondern wir schufen gemeinsam einen Raum, in dem wir Achtsamkeit erlebten, ein Gefühl von Verbundenheit, gemeinsam in Harmonie schwingen, Freiheit, Stille, Zeitlosigkeit. Es bleibt nicht mehr zu sagen, als dass ich tief berührt wurde und ich allen Menschen, die diesen Raum mit ihrer Präsenz ermöglicht haben, von Herzen dankbar bin. ♥

Die Ergebnisseite des Workshops.

SPIELRAUM  – AUTHENTISCHE BEGEGNUNG (mit Alma)

Ein Workshop der gewissermaßen ähnlich war, wie der zuvor beschriebene, aber doch ganz anders. Hier haben wir uns jeweils in Kleingruppen (zu zweit und später zu viert) zusammen gefunden. Es ging in erster Linie darum, einander wahrzunehmen, sich gegenseitig Aufmerksamkeit zu schenken und „im Moment“ zu sein. Außerdem ging es darum, eigene Bedürfnisse und Wahrnehmungen zu kommunizieren, ohne diese zu reflektieren oder zu bewerten.

Hier die dazugehörige offizielle Ergebnisseite.


Ich persönlich bemerke für mich, dass es im Alltag gar nicht so einfach ist, anderen Menschen auf Herzensebene zu begegnen, authentisch zu sein, einander achtsam und vorbehaltlos zuzuhören, sich dafür die Zeit zu nehmen. Weil es dann doch oft „schnell gehen muss“ und man sich nicht richtig auf den/ die andere(n) einlässt. Und ich merke auch, dass es mir selbst oft schwer fällt, vom Herzen und nicht vom Kopf her zu sprechen. Zu einem Teil deswegen, weil ich manchmal auch Angst davor habe, mich anderen Menschen gegenüber in dieser Weise zu öffnen. Oder weil ich noch gefangen bin in Denk- und Handlungsmustern, die dies verhindern. Nun, diese Erkenntnis ist wohl ein Schritt auf dem Weg.

„Von Herz zu Herz“ – ein Satz oder eher ein Satzfragment, das für mich persönlich die Essenz des utopivals zusammenfasst. 🙂 💚

[Das Foto im Titel habe ich von hier: http://www.utopival.org/ergebnisseite/fotos/ Dort gibt es auch noch viele weitere wunderbare utopival-Impressionen zu finden.]

utopival: Ankunft in Utopia?

Die Utopie – sie steht am Horizont.
Ich bewege mich zwei Schritte auf sie zu und sie entfernt sich um zwei Schritte.
Ich nähere mich zehn weitere Schritte und sie entfernt sich wieder um zehn Schritte.
Und wenn ich noch so weit gehe, ich werde sie nie erreichen.
Wofür ist sie also da – die Utopie? Dafür ist sie da: um zu gehen!

Das sind die Worte  von Fernando Birri, wie sie auch im großen utopival-Plenum am ersten Abend zitiert wurden. Ich finde sie sehr passend als Einstieg in diesen Artikel. 🙂


Ich erinnere mich noch gut an die Anreise zum utopival: Ein kleines Auto, vollgestopft mit Rucksäcken, Zelten, säckeweise Brot und Brötchen, ein paar Kisten und Beutel voll mit Obst und Gemüse, irgendwo in den Zwischenräumen vier Menschen. 😀 Zum Glück war die Fahrt von Köln nach Lindlar nicht lang und so ließ es sich ganz gut ertragen, auch wenn die Außentemperatur irgendwas über 30°C betrug und die zarte Brise Fahrtwind nur wenig darüber hinwegtäuschen konnte.

Kurz nach der Ankunft auf dem FindHof war ich erstmal ein bisschen überwältigt, von der ganzen Wuselei um mich herum, so viele unbekannte Menschen, aber dennoch habe ich mich direkt wohl gefühlt. Es war außerdem ein so wunderschöner, einladender und liebevoll hergerichteter Ort! Dazu kam, dass mir nach und nach doch noch einige bereits mehr oder weniger bekannte Gesichter begegnet sind, teilweise auch ganz unerwartet, das hat mich sehr gefreut! 🙂

Erst wenige Wochen zuvor hatte sich herausgestellt, dass ich nicht die einzige in meinem Freundeskreis war, die aufs utopvial fahren würde, sondern auch Ricarda würde mit von der Partie sein! So ergab es sich auch, dass wir uns ein Zelt teilten. Danke, liebe Ricarda, dass du mich mit bei dir aufgenommen hast und auch sonst für die schöne gemeinsame Zeit auf dem utopival! ❤

Am Montagabend nach dem Abendessen fand dann das erste große Plenum statt. Endlich einmal waren alle auf einem Haufen in der „Lichtwerkstatt“ versammelt. Das Orga-Team stellte sich vor, es wurden ein paar Kennenlernspiele gespielt und Nico Paech hielt einen Vortrag über Postwachstumsökonomie. Bis tief in den Abend hinein zog sich das Programm, sodass die meisten Menschen im Anschluss direkt in die Zelte geschlüpft sind, um wenigstens in der ersten Nacht noch möglichst viel Schlaf zu bekommen.

Darauf folgten mit Dienstag, Mittwoch und Donnerstag drei intensive Mitmachkongress-Tage. Die Tage begannen stets früh, aber sehr angenehm: Morgens wurden wir lieblich gegen kurz nach sieben aus unseren Träumen gesungen, einige Unerschrockene erfrischten sich direkt im Bach, nach dem Frühstück trafen wir uns im Morgenplenum zum Spielen und Singen und lauschten andächtig dem „Morgenimpuls“ für den vor uns liegenden Tag, bevor wir uns in die erste Workshopphase begaben.

In den Workshopphasen gab es jeweils die Wahl zwischen fünf verschiedenen Workshops aus unterschiedlichen Themenbereichen (Bildung, Soziales Miteinander, Ernährung, Kreativität und Wirtschaft), die parallel zueinander stattfanden. Alternativ dazu konnte auch in der Küche bei der Zubereitung des Mittag- (oder Abend-)essens geholfen werden.

Nach dem Mittagessen gab es dann eine längere Pause, die von manchen genutzt wurde, um im Open Space weitere Aktionen anzubieten und daran teilzunehmen. Am Spätnachmittag folgte dann die zweite Workshopphase, danach gab es Abendessen und im Anschluss fand jeden Abend jeweils ein besonderes Programm statt. So zum Beispiel am Dienstagabend eine „Wishbowl“-Diskussion zum Thema „Menschenbild“, am Mittwoch „Open Stage“ und am Donnerstag ein Konzert mit anschließender Jamsession.

Mein persönliches Highlight des Abendprogramms war eindeutig die Open Stage. So viele unterschiedliche, einzigartige Beiträge, von Musik, über Impro-Theater, Tanz und Poetry-Slam-Texten. Ich fand es sehr berührend und beeindruckend. Besonders froh bin ich darüber, dass ich mich selbst auch auf die Bühne getraut habe und mit Gitarre ein Lied meiner isländischen Lieblingsband (Ásgeir) vorgetragen habe. Ich singe zwar viel und oft, aber meist für mich, oder in kleiner Runde. Und so war die Situation, alleine auf der Bühne zu sein und die Aufmerksamkeit aller auf mir zu spüren, etwas ganz Neues für mich. Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung, sie hat mich unglaublich bereichert! ☺

An drei Abenden (Dienstag, Mittwoch und Donnerstag) ging es nach dem großen gemeinsamen Abendprogramm noch in kleinerer Runde am Lagerfeuer weiter, das bis tief in die Nacht brannte. Es war unbeschreiblich schön unter dem klaren Sternenhimmel am Feuer zu sitzen, gemeinsam Lieder zu singen, Stockbrot zu backen und ein bisschen zu träumen. 🙂

Hier ein Video, das ein anderer utopvial-Teilnehmer gemacht hat und welches ein paar wunderbare Einblicke ins utopival gewährt:

Ich habe in den Workshopphasen insgesamt vier Workshops besucht und aus jedem einzelnen verschiedene Eindrücke, Erkenntnisse und Erlebnisse mitgenommen. Vielleicht gelingt es mir in ein oder mehreren weiteren Artikeln, diese in Worte zu fassen. 🙂

[Das Foto im Titel habe ich von hier: http://www.utopival.org/ergebnisseite/fotos/ Dort gibt es auch noch viele weitere wunderbare utopival-Impressionen zu finden.]

utopival 2015

Hey, hallo, wie geht’s, wie steht’s? Schön, dich hier zu sehen!
Wollen wir gemeinsam einfach mal spazieren gehen?
Hast du Lust, dann treten wir gemeinsam in Aktion!
Komm‘ wir bauen uns eine Welt nach unserer Vision!

(Ein Lied, das wir allmorgendlich gemeinsam gesungen haben.)

💚

Vor einer Woche, also kurz vor der Anreise zum utopival, bin ich noch fast geplatzt vor lauter Vorfreude und jetzt ist schon alles wieder vorbei und ich bin seit ein paar Tagen zurück in meinem Alltag. Aber es ist nicht alles wie vorher. Die Begegnungen, der Austausch, das Leben auf dem utopival haben mich angestoßen, berührt, inspiriert, mir mal wieder gezeigt, dass eine andere Welt möglich ist, zum Greifen nahe und, dass jede und jeder einzelne einen Beitrag dazu leisten kann.

Ich möchte meine Erfahrung gerne teilen. Aber es passt gar nicht alles in einen einzigen Artikel, deswegen wird das hier nur ein Anfang sein. Hier möchte ich erstmal einen Überblick geben, anhand der vier Grundsätze  – geldfrei, vegan, ökologisch, solidarisch – auf denen alle Projekte von livingutopia, zu denen auch das utopvial gehört, basieren. Ich habe nur wenige Fotos gemacht mit denen ich diesen Artikel etwas bebildern werde. Aber da das utopival ausführlich filmisch dokumentiert wurde, gibt es demnächst noch an anderer Stelle ganz viel Material dazu.

GELDFREI. Zunächst scheint es unglaublich, dass so eine große Veranstaltung, ihre Planung und Durchführung, völlig ohne Geld auskommen kann. Aber gerade diese Komponente zeigt, dass ein anderes Miteinander und Wirtschaften möglich ist! In unserer Gesellschaft werden wir vom Überfluss geradezu erschlagen. Es ist möglich dieser Verschwendung Einhalt zu gebieten, Verantwortung zu übernehmen und vorhandene Ressourcen zu nutzen.
In einem Kurzvortrag am Donnerstagabend ist Tobi (von livingutopia), der seit mehreren Jahren geldfrei lebt, auf den Punkt der Geldfreiheit auch nochmal etwas näher eingegangen. Er hat betont, dass die geldfreie Organisation des utopivals (und anderer Projekte von livingutopia) auf Vertrauen basiert und eine andere Art der Wertschätzung fördert. Es geht darum, dass Mitmachräume für gesellschaftlichen Wandel entstehen, die gemeinsam gestaltet werden und in welche jede und jeder seine Talente einbringen kann.
Die ganzen Lebensmittel, die wir in den fünf Tagen verzehrt haben, kamen alle entweder aus Spenden oder waren vor (teilweise auch aus) der Tonne gerettet worden. Genauso war es mit all den anderen Materialen, die benötigt wurden (z.B. Paletten für die Kompostklos, Klopapier, Seife, Putzmittel und Spüli, Papier, Schreibzeug, …) und natürlich wurden weder Teilnehmerbeiträge erhoben, noch Vortragende mit Geld entlohnt. Erwähnenswert finde ich die wunderschönen Notizhefte von PapierPilz, die aus Altpapier hergestellt wurden und ein großer Dank gilt außerdem den Menschen vom FindHof, die dem utopival einen wundervollen Austragungsort zur Verfügung gestellt haben!

VEGAN. Da ich mich sowieso frei von tierischen Produkte ernähre, hat es sich für mich als ganz selbstverständlich angefühlt, dass wir auf dem utopival mit rein pflanzlichen Lebensmitteln versorgt wurden. Es war auch einfach angenehm, nicht ständig fragen zu müssen, was denn in dem Essen alles drin ist. 😀 Und dann haben wir außerdem noch so unglaublich gut gegessen! Es war sehr abwechslungsreich und stets köstlich! Besonders gefreut hat mich, dass jede Mahlzeit auch einen Rohkostanteil beinhaltete, ob frischer Obstsalat zum Frühstück oder bunter Wildkräuter-Gemüse-Salat zum Mittag-/Abendessen. Erstaunlich, was alles zusammen kommt, wenn nicht gezielt eingekauft wird, sondern die Verpflegung auf geretteten und gespendeten Lebensmitteln basiert! Wir hatten dosenweise „Dunstäpfel“, nahezu literweise Kokoswasser, kistenweise „Thai Koriander Frischcreme“, kiloweise Kübriskerne und palettenweise Fleisch- und Käseersatzprodukte, um nur ein paar der außergewöhnlicheren Sachen zu nennen. 😉

ÖKOLOGISCH. Im Einklang mit der Natur, vorhandene Ressourcen nutzen und erhalten, keinen Schaden anrichten. Das fällt mir hier spontan zum Thema „ökologisch“ ein. Dieser Grundsatz äußerte sich beispielsweise darin, dass wir gerettete Lebensmittel verspeist haben, dass wir statt zu duschen einfach in den Bach gesprungen sind und dass wir unsere wertvollen Exkremente in Kompostklos zurückgelassen haben. 😉 Außerdem gab es einen kleinen Permakultur-Acker auf dem Gelände des FindHofs zu bestaunen, den das utopival-Orgateam einige Monate zuvor angelegt hatte.

SOLIDARISCH. Direkt kurz nach der Ankunft wurden die ersten Menschenketten gebildet, um Gegenstände zu transportieren. Wenn irgendwo Hilfe benötigt wurde, haben sich schnell ein paar helfende Hände gefunden. Es wurde gemeinsam geschnippelt und gekocht. Und in vielen anderen Momenten konnten wir erleben, wie sich Gemeinschaft anfühlt. Jede und jeder war willkommen, einander auf Augenhöhe begegnen, offen und ohne zu urteilen, voller Liebe. So viele besondere Augenblicke. Gemeinsam innehalten einerseits und gemeinsam agieren andererseits.

Für heute soll es an dieser Stelle genug sein. Bald folgt mehr.
Alles Liebe. 🙂

Vorfreude aufs utopival

Ich weiß gar nicht genau, wie und wo ich anfangen soll. Eigentlich sagt die Überschrift ja schon alles. 🙂 Aber was ist denn überhaupt das utopvial? Es handelt sich um einen fünftägen Mitmachkongress – geldfrei, vegan, ökologisch, solidarisch – der vom 3.-7.8. auf dem FindHof bei Köln stattfinden wird. 100 Menschen kommen dort zusammen, tauschen sich aus, vernetzen sich, versuchen Antworten auf die Frage zu finden „Wie stellen wir uns eine zukunftsfähige Gesellschaft von morgen vor?“, planen Projekte und versuchen gemeinsam Träume Wirklichkeit werden zu lassen. Genau das Richtige für mich. 😉

Die 100 Plätze fürs utopival wurden verlost unter knapp 400 Anmeldungen. Und ich bin mit dabei! 🙂 Ich spüre, dass mir damit ein besonderes Geschenk zu teil wird. Deswegen möchte ich meine Erfahrungen und Erlebnisse, die ich dort machen werde, auch nicht für mich alleine behalten, sondern unter anderem auch diesen Blog nutzen, um davon zu berichten. Ich bin schon sehr gespannt und vorfreudig, besonders auf die Begegnungen mit den anderen Teilnehmer*innen, den Austausch, das gemeinsame Leben auf dem utopival, die Dinge, die dort entstehen werden und auf all das, was ich mir jetzt noch gar nicht vorstellen kann.

Im Alltag merke ich, dass es noch vieles gibt, was mich hemmt so zu leben, wie ich eigentlich leben möchte, tatsächlich die Veränderung zu sein, die ich in der Welt sehen möchte. Aber Schritt für Schritt komme ich dem Ganzen näher. 🙂

Das also als kleine Ankündigung, mehr dazu kommt dann in ein paar Wochen.

Alles Liebe! 💚

Frisch aus der Tonne!

Mülltauchen, dumpstern, containern, Lebensmittel retten, … es gibt viele Begriffe dafür. Jedenfalls ist es ein Hobby, das ich vor etwa anderthalb Jahren für mich entdeckt habe. 😀 Am letzten Samstag habe ich mal wieder einen Superfund gelandet und ein bisschen dokumentiert. In den nächsten Blogartikeln werde ich berichten, was ich daraus an Leckereien zubereitet habe…

Meine Beute :-)
Meine Beute! (Übrigens nur ein kleiner Teil der geretteten Bananen…)

Einerseits freue ich mich immer riesig, wenn ich so tolle Sachen finde, aber andererseits macht es mich auch traurig und wütend, wenn ich sehe wie viele gute Dinge weggeschmissen werden… Ich kann sogar an der Tonne wählerisch sein und nur „die besten“ Sachen nehmen. Verdammt! Hier in Deutschland leben wir in so extremem Überfluss und an anderen Orten auf unserem Planeten sterben Menschen an Hunger! 😦

Aber ich versuche mir stets meine positive und optimistische Grundhaltung zu bewahren und bin zum Beispiel auch richtig begeistert von foodsharing, was ja in relativ kurzer Zeit schon so eine große Sache geworden ist und stetig wächst! 🙂

Zu den Themen Lebensmittelverschwendung und Welternährung sind folgende Filme von Valentin Thurn (Mitbegründer von Foodsharing) eigentlich Pflichtprogramm für jeden verantwortungsbewussten Menschen: „Taste the Waste“, „die Essensretter“ und „10 Milliarden“! 🙂

auf meinem Veg (Teil 1)

Hallo du!

Heute möchte ich mal erzählen, wie es eigentlich dazu gekommen ist, dass ich mich rein pflanzlich ernähre und versuche mit meinem Lebensstil möglichst wenig Leid und Schaden auf unserem Planeten anzurichten. Den Begriff „vegan“ nehme ich eher ungern in den Mund. Denn das führt wieder nur zu Spaltung in „vegan“ und „nicht-vegan“, wie in „gute“ und „schlechte Menschen“, „Christen“ und „Muslime“, „Schwarze“ und „Weiße“… darüber vergessen wir, dass wir im Grunde alle gleich sind: Menschen. Fühlende Lebewesen. Erdlinge. 🙂

Veganismus ist ein Thema, was ich im Alltag so nur sehr selten zur Sprache gebracht habe und bringe. Schnell decken Gespräche über Ernährung starke Meinungsverschiedenheiten auf und führen zu verhärteten Fronten. Dabei liegt es mir eigentlich sehr am Herzen, meine Geschichte mit anderen Menschen zu teilen. Aber es ist nicht leicht.

Ich überlege gerade wo meine Geschichte wohl begonnen hat. Ich war 16 Jahre alt, als ich entschieden habe keine Tiere mehr zu essen. Aber es sind danach noch viele Jahre vergangen, bis ich mir bewusster über die ganze Thematik geworden bin und schließlich auch allen anderen tierischen Produkten entsagt habe.

Ich erinnere mich daran, dass ich im Januar 2013 zwei Menschen begegnet bin, die für sich entschieden hatten vegan zu leben. Ich glaube, dass es für mich schon früher ein Thema gewesen ist, was ich in mir bewegt habe, aber durch diese Begegnungen ist es greifbarer geworden. Ich hatte schon einige Zeit davor Milch durch verschiedene „Pflanzendrinks“ ersetzt, benutzte Margarine statt Butter und verzehrte Eier eigentlich nur noch selten und wenn, dann in Gebäck. Aber Joghurt und Käse waren meine „Laster“ (wenn auch in Bio-Qualität), wenn ich das so sagen darf. 😀 Jedenfalls versuchte ich ab dem Zeitpunkt, möglichst viele vegane Tage in mein Leben einzubauen. Aber es war gar nicht leicht. Rückblickend kann ich es mir gar nicht mehr vorstellen, was es mir damals so schwierig gemacht hat.

Es gibt ja unzählige Dokus und youtube-Videos zum Thema, von denen ich viele gesehen habe, aber der Kurzfilm vom VEBU „Das Klagen der Kühe“ war für mich der Auslöser. Ich weiß noch, wie ich allein vor dem Laptop saß, unsäglich traurig war und geheult habe, angesichts der ganzen Grausamkeit, der Kaltherzigkeit und des Leids. Plötzlich ist mir alles noch einmal im ganzen Maße bewusst geworden. Das war am 26. Mai 2013. Der Tag an dem ich entschieden habe, dass ich das alles nicht mehr mit meinem Geld unterstützen möchte.

Seitdem hat sich vieles in meinem Leben verändert und verändert sich stetig. Zum Positiven wohlgemerkt! Mittlerweile habe ich schon einige Menschen in meinem Umfeld, die auf tierische Produkte weitestgehend verzichten und es freut mich so sehr, dass es immer mehr werden! Es ist mir wichtig, meine Gedanken auf die guten Dinge zu richten und nicht darin zu verharren, mich über die Sachen zu grämen, die schlecht und schief laufen auf diesem Planeten. Alles ist in fortlaufendem Prozess, im Großen wie im Kleinen. Der Veg ist das Ziel! 🙂

Hier ein Bild, was ich im Sommer 2012 in Estland aufgenommen habe. Ich finde es irgendwie ganz passend zum Abschluss dieses Artikels.

 

 

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