Die Utopie – sie steht am Horizont.
Ich bewege mich zwei Schritte auf sie zu und sie entfernt sich um zwei Schritte.
Ich nähere mich zehn weitere Schritte und sie entfernt sich wieder um zehn Schritte.
Und wenn ich noch so weit gehe, ich werde sie nie erreichen.
Wofür ist sie also da – die Utopie? Dafür ist sie da: um zu gehen!

Das sind die Worte  von Fernando Birri, wie sie auch im großen utopival-Plenum am ersten Abend zitiert wurden. Ich finde sie sehr passend als Einstieg in diesen Artikel. 🙂


Ich erinnere mich noch gut an die Anreise zum utopival: Ein kleines Auto, vollgestopft mit Rucksäcken, Zelten, säckeweise Brot und Brötchen, ein paar Kisten und Beutel voll mit Obst und Gemüse, irgendwo in den Zwischenräumen vier Menschen. 😀 Zum Glück war die Fahrt von Köln nach Lindlar nicht lang und so ließ es sich ganz gut ertragen, auch wenn die Außentemperatur irgendwas über 30°C betrug und die zarte Brise Fahrtwind nur wenig darüber hinwegtäuschen konnte.

Kurz nach der Ankunft auf dem FindHof war ich erstmal ein bisschen überwältigt, von der ganzen Wuselei um mich herum, so viele unbekannte Menschen, aber dennoch habe ich mich direkt wohl gefühlt. Es war außerdem ein so wunderschöner, einladender und liebevoll hergerichteter Ort! Dazu kam, dass mir nach und nach doch noch einige bereits mehr oder weniger bekannte Gesichter begegnet sind, teilweise auch ganz unerwartet, das hat mich sehr gefreut! 🙂

Erst wenige Wochen zuvor hatte sich herausgestellt, dass ich nicht die einzige in meinem Freundeskreis war, die aufs utopvial fahren würde, sondern auch Ricarda würde mit von der Partie sein! So ergab es sich auch, dass wir uns ein Zelt teilten. Danke, liebe Ricarda, dass du mich mit bei dir aufgenommen hast und auch sonst für die schöne gemeinsame Zeit auf dem utopival! ❤

Am Montagabend nach dem Abendessen fand dann das erste große Plenum statt. Endlich einmal waren alle auf einem Haufen in der „Lichtwerkstatt“ versammelt. Das Orga-Team stellte sich vor, es wurden ein paar Kennenlernspiele gespielt und Nico Paech hielt einen Vortrag über Postwachstumsökonomie. Bis tief in den Abend hinein zog sich das Programm, sodass die meisten Menschen im Anschluss direkt in die Zelte geschlüpft sind, um wenigstens in der ersten Nacht noch möglichst viel Schlaf zu bekommen.

Darauf folgten mit Dienstag, Mittwoch und Donnerstag drei intensive Mitmachkongress-Tage. Die Tage begannen stets früh, aber sehr angenehm: Morgens wurden wir lieblich gegen kurz nach sieben aus unseren Träumen gesungen, einige Unerschrockene erfrischten sich direkt im Bach, nach dem Frühstück trafen wir uns im Morgenplenum zum Spielen und Singen und lauschten andächtig dem „Morgenimpuls“ für den vor uns liegenden Tag, bevor wir uns in die erste Workshopphase begaben.

In den Workshopphasen gab es jeweils die Wahl zwischen fünf verschiedenen Workshops aus unterschiedlichen Themenbereichen (Bildung, Soziales Miteinander, Ernährung, Kreativität und Wirtschaft), die parallel zueinander stattfanden. Alternativ dazu konnte auch in der Küche bei der Zubereitung des Mittag- (oder Abend-)essens geholfen werden.

Nach dem Mittagessen gab es dann eine längere Pause, die von manchen genutzt wurde, um im Open Space weitere Aktionen anzubieten und daran teilzunehmen. Am Spätnachmittag folgte dann die zweite Workshopphase, danach gab es Abendessen und im Anschluss fand jeden Abend jeweils ein besonderes Programm statt. So zum Beispiel am Dienstagabend eine „Wishbowl“-Diskussion zum Thema „Menschenbild“, am Mittwoch „Open Stage“ und am Donnerstag ein Konzert mit anschließender Jamsession.

Mein persönliches Highlight des Abendprogramms war eindeutig die Open Stage. So viele unterschiedliche, einzigartige Beiträge, von Musik, über Impro-Theater, Tanz und Poetry-Slam-Texten. Ich fand es sehr berührend und beeindruckend. Besonders froh bin ich darüber, dass ich mich selbst auch auf die Bühne getraut habe und mit Gitarre ein Lied meiner isländischen Lieblingsband (Ásgeir) vorgetragen habe. Ich singe zwar viel und oft, aber meist für mich, oder in kleiner Runde. Und so war die Situation, alleine auf der Bühne zu sein und die Aufmerksamkeit aller auf mir zu spüren, etwas ganz Neues für mich. Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung, sie hat mich unglaublich bereichert! ☺

An drei Abenden (Dienstag, Mittwoch und Donnerstag) ging es nach dem großen gemeinsamen Abendprogramm noch in kleinerer Runde am Lagerfeuer weiter, das bis tief in die Nacht brannte. Es war unbeschreiblich schön unter dem klaren Sternenhimmel am Feuer zu sitzen, gemeinsam Lieder zu singen, Stockbrot zu backen und ein bisschen zu träumen. 🙂

Hier ein Video, das ein anderer utopvial-Teilnehmer gemacht hat und welches ein paar wunderbare Einblicke ins utopival gewährt:

Ich habe in den Workshopphasen insgesamt vier Workshops besucht und aus jedem einzelnen verschiedene Eindrücke, Erkenntnisse und Erlebnisse mitgenommen. Vielleicht gelingt es mir in ein oder mehreren weiteren Artikeln, diese in Worte zu fassen. 🙂

[Das Foto im Titel habe ich von hier: http://www.utopival.org/ergebnisseite/fotos/ Dort gibt es auch noch viele weitere wunderbare utopival-Impressionen zu finden.]

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